Liederkranz Oberafferbach

Anfang des neunzehnten Jahrhunderts lebten die Bewohner um die Johannesberger Kirche, wie im Spessart allgemein, noch sehr bescheiden. Von der Außenwelt doch etwas abgeschnitten wurde die Haupternährung von kargen landwirtschaftlichen Erträgen mehr schlecht als recht gedeckt. Besorgungen im Umland oder in der Stadt waren beschwerlich. Auf sich alleine gestellt, organisierten die Bürger zum Selbstschutz Sanitäts- oder Feuerwehrvereine. Nach und nach reifte in der Bevölkerung das Bedürfnis, das sehr eintönige Dorfdasein mit Musik und Gesang musisch und gesellig aufzulockern.

Von diesem Gedanken getragen versammelten sich am 15. Januar im Jahre 1900 gleichgesinnte Männer im Gasthaus „Zum Lamm“ und gründeten den Männer-Gesangverein „Liederkranz Oberafferbach“.

Nach schwierigen Anfängen – eine streitsüchtige Person schaffte Unruhe – obsiegte das Bemühen, den Gesang und die Geselligkeit in den Vordergrund zu stellen. Liederabende, Ständchen bei diversen Festen und die Mitwirkung bei Veranstaltungen befreundeter Vereine sorgten für die Präsenz des kleinen, aber angesehenen Vereins. Personelle Wechsel in Vereinsführung und am Dirigentenpult im ersten Jahrzehnt brachten Aufschwung und so konnte man im Jahre 1910 ein Stiftungsfest mit Fahnenweihe als Großereignis innerhalb der Dorfgeschichte bezeichnen. Als Patenverein vermochte man den Männerchor „Germania Glattbach“ vom Nachbarort zu gewinnen.  Bis 1914 pflegten die Mitglieder recht erfolgreich den Chorgesang und die geselligen Veranstaltungen. Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges verstummten die Stimmen im Chor.

Am 12. Januar 1919 beklagte der Vorsitzende den Verlust von sieben Mitgliedern, die nicht mehr in die Heimat zurückkehrten. Die Sänger waren wieder eifrig bei der Sache und Nachbarvereine wurden nach besten Kräften gesanglich wie auch gesellig unterstützt. So übernahm man unter anderem im Jahre 1921 die Patenschaft zur Fahnenweihe beim Männergesangverein Edelweiß Johannesberg. Eine gute Bewertung bei dem Wertungssingen vom Spessartbund „Main-Spessart“, sowie ein hochgelobter Preis beim Bundesgesangswettstreit beflügelte die Mitglieder des Chores, das 30. Stiftungsfest im Jahre 1930 abzuhalten.

Ab Juli 1933 musste sich alles national einstellen. Der 1. Vorsitzende wurde zum 1. Führer und die Versammlungen begannen und endeten mit „Sieg Heil“. Es entstanden Schwierigkeiten in allen Vereinen. Ämter wurden gewechselt, Mitglieder wurden zum Soldatendienst befohlen. Das Völkerringen hat begonnen. Von den 93 Mitgliedern im Liederkranz wurden im Jahre 1940 siebzehn Sänger zur Fahne eingezogen und niemand wusste, wie lange die Sängerstimmen im Verein schweigen mussten.

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Im Januar 1947 konnte der Verein in der 800 Seelen zählenden Gemeinde Oberafferbach wiederbelebt werden und zielstrebig bereitete man das 50. Gründungsfest vor. Der Chronist lobte den guten Zusammenhalt der gesamten Bevölkerung, welcher erheblich zum Erfolg dieser Veranstaltung beitrug.  Danach gab es immer wieder Schwankungen in personeller Besetzung und somit auch auf gesanglichem Niveau.  Das 60. Gründungsfest brachte nicht die erhoffte Verbesserung und darum wurde das Angebot vom Johannesberger Edelweißverein zur Fusionierung von beiden Vereinen in Versammlungen und Aussprachen diskutiert. Gegner und Befürworter brauchten einige Jahre, um die Frage zur Abhilfe der Situation zu beantworten. Ab 1970 befand sich der Verein in einem Schwebezustand.

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Mit der Gebietsreform im Jahre 1972 erfolgte der politische Zusammenschluss der Gemeinden Oberafferbach, Johannesberg, Breunsberg und Rückersbach.

Im gleichen Jahr einigten sich beide Gesangvereine ein gemeinsames Kirchenkonzert in der Pfarrkirche St. Johannes Enthauptung abzuhalten. Dieses Konzert am Palmsonntag gestalteten die Sängerinnen und Sänger vom Edelweißchor, die Männer vom Liederkranz verstärkt von Frauen aus Oberafferbach, der Musikverein Johannesberg und Pfarrer Linus Eizenhöfer als Organist.  Beide Jahresereignisse stärkten die Argumente der Befürworter für den Zusammenschluss, mit gutgesinnten Sängerinnen und Sängern nicht die Auflösung, sondern den Neubeginn in einer starken, leistungsfähigen Chorgemeinschaft zu erstreben.

Die Dirigenten von Liederkranz Oberafferbach

Hauptlehrer Rettelbach, 1900-September
Hauptlehrer Balling, 1900-1902
Lehrer Hornung, 1902-1904
Lehrer Hufnagel, 1904-1910
Clemens Fischer, Mömbris, 1910-1920
Philipp Beißler, Glattbach, 1920-1934
Gast, 1934
Adolf Eizenhöfer, Oberafferbach, 1934-1957
Hermann Herold, Goldbach, 1957-1962
Norbert Bergmann, Oberafferbach, 1962-1973

Die 1. Vorsitzenden von Liederkranz Oberafferbach

Franz Körbel, 1900-1901
Franz Pfeifer, 1901-1903
Adam Rosenberger, 1903-1904
Sebastian Schmitt, 1904-1905
Josef Seitz, 1905-1920 (Ehrenvorsitzender)
Peter Fecher, 1920-1928
Konrad Herzog, 1928-1934
Peter Schmitt, 1934-1936
Anton Rosenberger, 1936-1939
Anton Rosenberger, 1947-1949 (Ehrenvorsitzender)
Josef Ott, 1949-1963
Josef Franz, 1963-1973

Weiter mit Edelweiß Johannesberg

 

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